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© Fritz Berger

Tiny Houses – minimalistisches Wohnen

Alles zu Ausstattung, Preis, Versicherung und Leben im Tiny House

Der Wunsch nach Minimalismus und Nachhaltigkeit lässt Menschen über den Umzug in ein Tiny House nachdenken. Denn für viele Menschen bedeutet Wohnen auf engem Raum nicht Verzicht, sondern Gewinn. Hier erfährst du, was dahintersteckt.


Inhaltsverzeichnis


Was ist ein Tiny House?

Prinzipiell ist ein Tiny House ein winziges Haus. Es gibt allerdings keine feste Definition für diesen Begriff. Meistens spricht man von einem Tiny House, wenn es weniger als 50 Quadratmeter hat. Doch ist die Definition von „klein“ subjektiv und auch davon abhängig, ob man in der Stadt oder auf dem Land lebt. Normalerweise versteht man unter einem Tiny House in Deutschland eine Wohneinheit, die auf einem Anhänger transportiert werden kann.

Kleines Holzhaus auf einer grasbewachsenen Lichtung, zwei Personen sitzen vor dem Haus, umgeben von Bäumen, Sonne mit Strahlen am Himmel
Tiny Houses können auf Privatgrund aufgestellt werden © www.bayern.by - Gert Krautbauer

Die Tiny-House-Bewegung

2008 keimte die Idee, Tiny Houses zu bauen, langsam in den USA auf. Auslöser dafür war vor allem die weltweite Finanzkrise. In den letzten Jahren kam auch noch der Klimawandel dazu, der das Bewusstsein für nachhaltiges Leben schärft. Bewohner eines Tiny Houses wollen die Fußspuren, die sie auf der Erde hinterlassen, so klein wie möglich halten. Vor allem im Hinblick auf ihre Müll- und Energiebilanz.

Außerdem können sich viele Menschen kein Eigenheim mehr leisten, ohne sich jahrzehntelang immens zu verschulden. Das führt zu Existenzängsten. Zudem besinnen sich Liebhaber der Tiny Houses auf das, was im Leben zählt. Besitz ist schon lange kein Statussymbol mehr. Es geht vielmehr um Lebensqualität, um Zeit mit der Familie und Selbstverwirklichung.

Kleines hölzernes Haus auf einem Anhänger neben einem Picknicktisch und einem Grill, geschotterte Wege, bepflanzte Mulchflächen, große Felsbrocken und Nadelbäume im Hintergrund
Tiny Houses in den USA mit Grill und Picknickplatz © tumbleweed

Ein Tiny House erfüllt viele dieser Wünsche:

  • Es benötigt wenig Fläche, kann also auf einem kleinen Grundstück aufgestellt werden.
  • Die Baukosten sind um einiges geringer als bei einem Einfamilienhaus.
  • Die Versorgung des Tiny Houses mit Strom und Wasser kann autark erfolgen. So haben Tiny House Bewohner wenig Einfluss auf die Umwelt.
  • Die Unterhaltskosten sind gering.

Rechtliches

Grundsätzlich kann ein Tiny House zwar auf einem Anhänger transportiert werden, es ist aber primär nicht dafür ausgelegt, ständig den Standort zu wechseln. Es ist schlicht zu schwer und zu groß, um ständig herum gefahren zu werden. Ein Tiny House ist also keine Alternative zu einem Wohnwagen.

Sinnigerweise sind die Maße eines Tiny Houses beschränkt durch die deutsche Straßenverkehrsordnung §32 auf 2,55 Meter Breite, 4 Meter Höhe und maximal 3,5 Tonnen Gewicht. Das ergibt dann – bedingt durch die Statik - eine ungefähre Länge von 7 Metern, also knapp 18 Quadratmeter Grundfläche und 71 Kubikmeter umbauten Raum. In den meisten Tiny Houses befindet sich der Schlafraum auf einer Empore, wodurch die Wohnfläche nochmal erweitert wird.
Ein Tiny House-Anhänger, der diese Maße unterschreitet, kann mit einem BE Führerschein wie ein Wohnwagen bewegt werden. Für Anhänger, die diese Maße überschreiten, benötigt man eine Sonderzulassung und eine andere Führerscheinklasse.

Kleine runde dunkelbraune Hütte auf Holzplattform mit zwei Stühlen, Solarpaneele auf dem Dach, seitlicher Schornstein und Bullaugenfenster, umgeben von Weinreben auf einer grasbewachsenen Anhöhe
Tiny House der Firma Wohnwagon © WW Wohnwagon GmbH

Zudem kann man das Tiny House nicht problemlos überall abstellen und bewohnen. Man unterscheidet zwischen drei Arten, ein Tiny House aufzustellen.


Stationär

Das Tiny House wird nach der Anlieferung vom Anhänger runtergehoben und steht fest auf dem Grundstück.

Dafür bedarf es in den meisten Bundesländern eine Baugenehmigung nach BauGB § 5. Hierfür muss man beim Landratsamt Unterlagen wie Grundriss und ein Gutachten zur Standsicherheit einreichen. Außerdem muss es als Neubau den aktuell geltenden Dämmvorschriften entsprechen. Und wenn du eine Baugenehmigung brauchst, brauchst du bei „Umzug“ auch eine Abrissgenehmigung. In vielen Gemeinden muss das Objekt sich zudem in die umliegende Häuserlandschaft einfügen. Es kann also Einschränkungen bei der Dachform und sogar der Farbe der Dachziegel geben. Das nennt man Ortsgestaltungssatzung.

Je nachdem wie groß dein Tiny House ist, kann es sein, dass du keine Baugenehmigung brauchst. Wenn du nicht vorhast, ständig darin zu wohnen, muss es auch nicht an das städtische Wasser- und Abwassernetz angeschlossen werden. Es zählt als „Gartenlaube“ oder Ferienhaus, wenn es mehr als vier Monate pro Jahr bewohnt wird. In ständig bewohnten Tiny Houses ist keine Gasanlage zum Kochen vorgesehen, dafür wird auch keine Entlüftungsanlage verbaut. Sie stehen im Konflikt mit der Energieeinsparverordnung für Wohngebäude. Du kochst und heizt also mit Strom. In Tiny Houses, die als Ferienhäuser eingestuft werden, darf mit Gas gekocht und geheizt werden.

Graues Gebäude mit zwei Dachgauben, mittig zweiflügelige Glastür, weiße Fenster, Holzbank links, Pflanzen in Töpfen und kleiner Tisch mit Stühlen auf gepflasterter Terrasse, Bäume im Hintergrund, bewölkter Himmel
Ein Tiny House kann stationär aufgebaut werden © Thomas Richter, Tiny House Allgäu

Erkundige dich unbedingt beim Bauamt über solche Einschränkungen, bevor du dein Tiny House kaufst. Du darfst dein Tiny House nur auf Privatgrund abstellen. Entweder auf deinem eigenen Grundstück oder gepachtetem Grund. Ein Abstellen auf öffentlichem Grund ist verboten.

Auch die benötigten Versicherungen müssen angepasst werden, je nachdem, ob das Tiny House dauerhaft bewohnt wird oder nicht. Dann brauchst du entweder eine klassische Wohngebäudeversicherung, eine Nebengebäudeversicherung oder eine Campingversicherung. Wir empfehlen zudem eine Hausratversicherung, um auch das Inventar des Tiny Houses abzusichern.


Als Wohnwagen

Eine Wohnwagen-Zulassung benötigst du dann, wenn dein Tiny House fest mit dem Anhänger verbunden ist, auf dem es transportiert wird. Das erledigt eine zugelassene Prüfstelle wie TÜV oder KÜS. Ein Wohnwagen ist in Leichtbauweise gefertigt und hat eine schmale Spurführung. Bei deinem Tiny House ist das anders. Für die Abnahme durch den Prüfer sind deswegen die Maße und das Gewicht des Gefährts entscheidend. Es werden aber auch andere Dinge beurteilt, wie die Statik, die Beleuchtung oder die verbauten Materialien.

Holzhaus auf Anhänger mit Solarpaneelen auf dem Dach, gestapeltes Feuerholz unter dem Haus, grüner Rasen im Vordergrund, große Laubbäume rechts, See im Hintergrund, blauer Himmel mit Wolken
Nach Abstellen des Wagens kann der Erker ausgefahren werden © WW Wohnwagon GmbH

Deswegen gilt die Zulassung zum „Trailer mit Sonderaufbau“ auch nur in Deutschland. Möchtest du dein Tiny House in ein anderes Land transportierten, benötigst du eine andere länderspezifische Zulassung. In jedem Mitgliedstaat müssen Kraftfahrzeuge zur Beförderung von Gütern oder Personen bestimmten, zwingend vorgeschriebenen technischen Merkmalen entsprechen. Es gibt alternativ auch eine allgemeingültige Genehmigung nach der europäischen Rahmenrichtlinie 70/156/EWG.

Sobald du deinen Anhänger inklusive Tiny House abstellst, um darin zu wohnen, wird es vielerorts als Gebäude angesehen. Ausnahme: Auf einem Campingplatz oder deinem privaten Grundstück. Nutzt du dein Tiny House als Wohnwagen, muss es als Anhänger haftpflichtversichert sein. Manche Gesellschaften bieten auch Campingversicherungen. Diese greifen aber nicht, wenn du dich entschließt, das Tiny House dauerhaft zu bewohnen.


Als Ladung

Alternativ kannst du dein Tiny House auf dem Anhänger als Ladung deklarieren lassen. Dafür dürfen der Aufbau und der Anhänger nicht fest miteinander verbunden sein. 

Graues kleines Hausmodul mit Fenstern und Tür, an Hebegurten unter einem Kran hängend auf einem Tieflader vor einem Lkw; Asphaltfläche und Gebäude im Hintergrund
Das Tiny House muss auf dem Anhänger gut gesichert werden © Thomas Richter, Tiny House Allgäu

Deine gesicherte Ladung muss nicht von einer Prüfstelle abgenommen werden. Wir empfehlen dir aber trotzdem, einen Sachverständigen hinzuzuziehen, der die Ladung zertifiziert. Neben dem Tiny House selbst müssen auch alle beweglichen Teile im Inneren gut gesichert sein. Dazu zählen auch Sofas, Tische oder die Kaffeemaschine.

Im Falle eines Unfalls kann es sein, dass der Gutachter der Versicherung eine unzureichende Ladungssicherung feststellt. Dann haften Fahrer, Halter und Verlader. Wenn dein Anhänger der Straßenverkehrsordnung entspricht und du die Ladung richtig sicherst, steht deiner Fahrt nichts im Wege. 

Bedenke, dass du zum Auf- und Abladen deines Tiny Houses einen Kran brauchst.

Hier siehst du am Beispiel von Henry, ein Tiny House von der Firma Wohnwagon, wie ein Tiny House von Innen aussehen kann.

https://youtu.be/MNjNoL4YQ_I

Kosten

Tiny Houses kosten nur den Bruchteil eines normalen Einfamilienhauses. Das liegt vor allem an der geringen Grundfläche. Der Preis pro Quadratmeter ist nicht viel günstiger. So zahlt man bei einem Tiny House je nach Ausstattung 1500 – 2000 Euro pro Quadratmeter. Ein normales Tiny House kostet also rund 30.000 €. Dazu kommen, je nach Zulassungsart, laufende Kosten wie Versicherung, Grundsteuer, Kanalgebühren, Strom und so weiter.

Um die Energiebilanz im Tiny House so ausgeglichen wie möglich zu halten, setzen viele Hersteller auf hochwertige Materialien. Gerade bei (teil-)autarken Tiny Houses wird sehr komplexe Technik verbaut, die ihren Preis hat. So gibt es auch technisch autark ausgestattete Tiny Houses für 140000 €.

„Wir fertigen nicht billig, wollen wir auch gar nicht!“,
Theresa Mai, Gründerin von Wohnwagon

Auf lange Sicht gerechnet sparst du dir natürlich trotzdem eine Menge Geld, wenn du monatlich keinen Strom von den Stadtwerken beziehen musst und ein Großteil deines Wasserbedarfes durch gefiltertes Regenwasser gedeckt wird.


Ausstattung

Prinzipiell sind deiner Fantasie bei der Ausstattung deines Tiny Houses keine Grenzen gesetzt.

  • Du kannst Tiny Houses selber bauen. Bauanleitungen gibt es sogar kostenlos im Internet.
  • Du kannst dein Tiny House zum Selbstausbau kaufen. Bei etwas handwerklichem Geschick kannst du dir viel Geld sparen.
  • Es gibt komplett ausgestattete Tiny Houses.
  • Du kannst autarke oder teilautarke Tiny Houses kaufen.

Damit sie das ganze Jahr bewohnbar sind, sind Tiny Houses gut gedämmt. Strom bezieht dein Domizil über eine Solar- oder PV-Anlage. Ein Landanschluss zur Übernahme von 230 V Strom am Stellplatz, Solaranlagen und Batteriespeicher sind ebenfalls machbar.

Roter runder Behälter vor einer Steinwand, Metallrohre und isolierte Leitungen an der Decke, zwei Pumpen auf dem Boden
Technikraum im doppelten Boden © WW Wohnwagon GmbH

Standardmäßig sind für Wasser- und Abwasseranschlüsse an die Versorgungsnetze Rohrleitungen vorgesehen. Autarke Versorgungsvarianten mit Frisch-/Abwassertanks sowie Kompost- oder Trocken-/Trenntoiletten sind möglich. Es gibt die Möglichkeit, dein Tiny House mittels Kachelofen zu heizen. Aber auch eine Fußboden- oder Wandheizung kann verbaut werden.

Du siehst, die Ausstattungsvarianten sind immens.

Schmale Küche in einem Dachraum mit Holzverkleidung, zwei Dachfenstern, Arbeitsfläche mit Spüle und Herd, Kühlschrank, Waschmaschine, offene Regale mit Geschirr und Pflanzen, Treppe zu einer erhöhten Plattform, Wandklimaanlage, Fenster mit Topfpflanz
Blick durch die Küche auf die Schlaf-Empore © tumbleweed

Der Grundriss der verschiedenen Tiny Houses ist fast immer gleich. Auf der unteren Ebene findet man den Eingangsbereich, daran reihen sich Küche, Ess- und Wohnbereich. Das Bad ist abgetrennt davon. Dank der großzügigen Raumhöhe von vier Metern lässt sich der Schlafbereich auf einer Empore errichten. Ins Bett gelangst du dann über eine Treppe. Bei größeren Tiny Houses gibt es sogar zwei Emporen. So hat man zwei voneinander getrennte Schlafzimmer.

Innenraum eines kompakten Wohnraums mit zwei gepolsterten Sesseln rechts, Kommode mit an der Wand montiertem Fernseher links, Regal mit Herzdekoration in der Mitte, Leiter zu einem Hochbett, Fenster mit Blick auf eine Wiese, Holzboden und schräges Ho
Gemütliche Einrichtung eines Tiny Houses © Thomas Richter, Tiny House Allgäu

Fazit: Und in Zukunft?

Tiny Houses werden von Vielen als gute Lösung gesehen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Vor allem in Großstädten ist es schwierig, als Normalverdiener Fuß zu fassen. Alle wollen in die Großstadt, doch in den Metropolen ist Wohnraum nicht nur knapp, sondern auch schwer bezahlbar. 

In einem Tiny House werden Quadratmeter reduziert, um Erwerbskosten oder Mieten zu senken.

Bei Bedarf mobil, individuell gestaltet und günstiger als ein Einfamilienhaus: das macht das Leben im kleinen Haus für einige Menschen sehr attraktiv. Aber auch für „Aussteiger“, die soziale Distanzierung und Abgeschiedenheit suchen, sind Tiny Houses perfekt. Denn sie bieten Schlichtheit und Reduktion auf das Wesentliche.

Bist du dir nicht sicher, ob das Leben in einem Tiny House wirklich eine Alternative für dich ist, kannst du in sogenannten Tiny House Parks oder auf einigen Campingplätzen zur Probe in ein Tiny House einziehen. Zum Beispiel hier: in der Nähe von Bayreuth im Tiny House Village, östlich Nürnberg bei avegantisch oder in Österreich süd-westlich von Wien in einem Wohnwagon.

Autor/in

Svenja

Svenja ist seit Jahren mit Mann, Kind und Hund im Zelt und Wohnwagen durch Europa unterwegs. Sie liebt die Entschleunigung, die man beim Campen erfährt.
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