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So funktioniert das Stromnetz im Wohnmobil

So funktioniert das Stromnetz im Wohnmobil

Im Wohnmobil funktioniert die Stromversorgung etwas anders als zuhause. Hier erfährst du alles über den Betrieb elektrischer Geräte im Campingurlaub und, wie du das Stromnetz im Reisemobil optimieren kannst.


Inhaltsverzeichnis


Unterscheidung 12 und 230 Volt Spannung

Moderne Wohnmobile besitzen jeweils zwei Stromkreise: einmal mit 230 Volt Netzspannung und einmal mit 12 Volt Spannung (Batteriestrom).


Der 12-Volt-Stromkreis mit Batteriestrom

Schwarzes rechteckiges Montagefeld mit drei runden Steckdosen in einer Reihe und vier Schraubenlöchern in den Ecken
© Hersteller

Typisch für die 12-Volt-Steckdose ist ihre runde Form. In Campingfahrzeugen kommen so genannte 12-Volt-Normstecker mit einem Durchmesser von 12 Millimetern zum Einsatz. Diese Stecker darfst du nicht mit den Anschlüssen für den Zigarettenanzünder im Pkw verwechseln. Denn Anschlüsse, wie sie beispielsweise tragbare Navigationsgeräte besitzen, haben einen Durchmesser von 21 Millimetern. Mit Hilfe eines Adapters lassen sich aber auch die großen 12-Volt-Anschlüsse mit einem Normstecker verbinden.

Der 12-Volt-Stromkreis basiert auf Gleichspannung und speist sich direkt aus der Bordbatterie. Daher funktionieren diese Steckdosen auch, wenn dein Wohnmobil nicht am Landstrom angeschlossen ist. Über den 12-Volt-Stromkreis sind außerdem die fest installierten Lampen und die Wasserpumpe im Wohnmobil angeschlossen.


Am Kontrollpanel (die zentrale Steuereinheit, die dir auch den Füllstand des Wassertanks anzeigt) findest du in der Regel einen Hauptschalter. Darüber kannst du den 12-Volt-Stromkreis bei Bedarf abschalten.

USB-Steckdosen zählen ebenfalls zum 12-Volt-Stromkreis, auch wenn diese nur eine Ausgangsleistung von 5 Volt haben. In der USB-Steckdose ist nämlich ein Trafo integriert, der die Eingangsspannung ausgehend von 12 Volt reduziert.


230 Volt: Strom, wie aus der Steckdose zuhause

In Wohnmobilen und Wohnwagen finden sich auch gewöhnliche Steckdosen, wie du sie von zuhause kennst. Diese werden mit einer Netzspannung von 230 Volt Wechselspannung gespeist und funktionieren nur, wenn dein Campingfahrzeug am Landstrom angeschlossen ist – eine Ausnahme bildet die Kombination mit einem Wechselrichter (siehe Tuning für den Stromkreislauf).



Die Bordbatterie

Moderne Wohnmobile besitzen zwei Batterien. Eine Starterbatterie, die Motor sowie Verbraucher im Cockpit mit Strom versorgt und eine Bordbatterie für die Stromversorgung im Wohnraum. Der wesentliche Vorteil: ist die Bordbatterie leer, lässt sich der Motor dennoch starten.

Als Bordbatterie kommen vier unterschiedliche Batterietypen in Frage, die jeweils individuelle Eigenschaften aufweisen.

  • Nassbatterien
  • Gelbatterien
  • AGM-Batterien
  • Lithium-Batterien (LiFeP04)


Die verschiedenen Lademöglichkeiten für die Batterie

Mann kniet neben Wohnmobil und steckt ein Kabel in die Außensteckdose; See und Bäume im Hintergrund
Über eine Außensteckdose verbindest du den Stromkreislauf im Wohnmobil mit einer Stromquelle auf dem Campingplatz. © Fritz Berger

Die Bordbatterie lässt sich auf verschiedene Arten aufladen.





  • Mit einer Brennstoffzelle: sie wandelt die chemische Energie von Methanol in elektrischen Strom um und lädt die Bordbatterie unabhängig vom Wetter. Einzige Abfallprodukte der Brennstoffzelle sind Wasserdampf, Kohlendioxid und warme Luft. Dadurch ist der Ladevorgang so umweltfreundlich wie bei einer Solaranlage.


  • Über die Lichtmaschine: während der Motor des Wohnmobils läuft, erzeugt die Lichtmaschine Strom, ähnlich wie ein Dynamo. Dieser fließt sowohl in die Starter- als auch Bordbatterie.
  • Durch ein Stromaggregat: man unterscheidet zwischen tragbaren Geräten und fest eingebauten Generatoren. Sie werden je nach Modell mit Diesel, Benzin oder auch Gas betrieben. Generatoren sind im Gegensatz zu Solaranlagen oder Brennstoffzellen verhältnismäßig laut. Außerdem können die entstehenden Abgase möglicherweise Stellplatznachbarn verärgern. Allerdings erzeugt der Generator Strom mit 230 Volt Spannung.


Der Elektroblock (EBL)

Blaues rechteckiges Gerät mit weißer Frontplatte, Reihe farbiger Sicherungen, Netzanschluss rechts, grüne Klemmen links
Der Elektroblock ist das zentrale Element der Stromverteilung. Am EBL werden sämtliche Stromleitungen und Verbraucher angeschlossen. © Hersteller

Der Elektroblock ist eine zentrale Einheit, bestehend aus Batterieladegerät, Stromverteiler- und Sicherungskasten. In vielen Wohnmobilen sind Elektroblöcke (EBL) der Firma Schaudt verbaut. Elektroblöcke der Firma Schaudt sind an der markanten blauen Gehäusefarbe leicht zu erkennen. Häufig findet der EBL Platz unter einem der Sitze in der Fahrerkabine oder in einem Stauraum im Wohnraum.


Tuning für den Stromkreislauf

Von Werk ab sind Wohnmobile mit einem funktionierenden Stromnetz ausgestattet. Für noch mehr Leistung und Komfort lässt sich darüber hinaus dennoch einiges optimieren und zusätzliche Komponenten ergänzen.


Batteriecomputer/Ladestandanzeige

Zwei nebeneinander angeordnete elektronische Geräte auf weißem Hintergrund. Links: weißes, vertikal rechteckiges Gehäuse mit LED-Anzeigen und Beschriftungen. Rechts: dunkles, quadratisches Bedienfeld mit LCD-Anzeige '28.5' und drei Tasten darunter
Einfache Ladestandanzeigen, wie der MT Duo-Batterie-Check, zeigen die aktuelle Batteriespannung anhand von Leuchtdioden an (links). Der umfangreich ausgestattete Batteriecomputer MT 5000iQ (rechts) gibt detailliert Auskunft über den Zustand der Stromspeicher. © Hersteller

Funktionsumfang und Genauigkeit der erhältlichen Batteriecomputer unterscheiden sich stark. Die einfachsten Ladestandanzeigen weisen den aktuellen Ladezustand anhand unterschiedlich gefärbter LED-Lampen aus, während umfangreich ausgestattete Batteriecomputer ein Digitaldisplay besitzen. Darauf kannst du alle relevanten Werte genau ablesen. Diese hochwertigen Batteriecomputer berechnen anhand des Verbrauchs auch die Restlaufzeit der Bordbatterie.



Wechselrichter

Blauer, gerippter Metallkasten mit schwarzer Frontplatte, europäischer Steckdose, USB-Anschluss, Ein-/Ausschalter und Aufklebern
Der Wechselrichter wird in einem Staufach befestigt und in den Stromkreislauf integriert. © Fritz Berger

Ein Wechselrichter wandelt 12-Volt-Gleichstrom in 230-Volt-Wechselpannung um. Wechselrichter gibt es in zwei unterschiedlichen Kategorien:

  1. Reine Sinus Wechselrichter: diese Geräte erzeugen eine Netzspannung mit 50 Hertz. Die reine Sinuswelle ist die hochwertigste Spannung, so wie sie auch im Stromnetz zuhause fließt. An einem Sinus-Wechselrichter kannst du auch empfindliche Geräte, wie Computernetzteile oder Kaffeemaschinen, bedenkenlos anschließen.
  2. Sinusähnliche Wechselrichter (Trapez-Wechselrichter): bei diesen Wechselrichtern verläuft die Netzspannung trapezförmig. Bei empfindlichen Elektrogeräten kann es während des Betriebs mit einem Trapez-Wechselrichter jedoch zu Beschädigungen kommen.

Einfache Filter-Kaffeemaschinen funktionieren mit einem günstigen Trapez-Wechselrichter. Kapsel- oder Pad-Maschinen dagegen erfordern reine Sinusspannung.



Ladegerät/Ladebooster

Silbernes, rechteckiges elektronisches Gerät mit Kühlrippen, Aufdruck "Batterie-Control-Booster" und großen Buchstaben "BCB", kleines Display, Anschlussklemmen und Montageschrauben
Der Batterie-Control-Booster von Büttner Elektronik ist Ladegerät und Booster in einem. © Hersteller

Auch wenn jedes Wohnmobil bereits werkseitig mit einem Ladegerät ausgestattet ist (z.B. integriert im Elektroblock), kann sich die Nachrüstung eines leistungsstärkeren Ladegeräts lohnen. Insbesondere dann, wenn eine oder mehrere Bordbatterien mit höherer Kapazität nachgerüstet werden.

Baust du erstmals Lithium-Batterien in dein Wohnmobil ein, musst du überprüfen, ob das vorhandene Ladegerät auch mit diesem Batterietyp kompatibel ist.

Spätestens mit Einführung der Euro6-Norm fällt die Ladeleistung durch die Lichtmaschine bei vielen Wohnmobilen dürftig aus. Denn die Lichtmaschine orientiert sich ausschließlich am Zustand der Startbatterie. Ist diese voll (und das ist sehr schnell der Fall), schaltet die Lichtmaschine ab.

Abhilfe schafft ein Ladebooster. Dieses Gerät schichtet den Strom zwischen Starter- und Boardbatterie um, so dass die Lichtmaschine länger aktiv ist. Außerdem erhöht der Ladebooster die Ladespannung, wodurch sich die Ladezeiten bei Batterien mit großen Kapazitäten verkürzen. In diesem Blogbeitrag kannst du genau lesen, wie ein Ladebooster arbeitet und wie du ihn leicht in deinem Wohnmobil einbauen und anschließen kannst.



Dickere Stromleitungen

Rüstest du das Stromnetz in deinem Wohnmobil mit einem Wechselrichter auf, solltest du den Querschnitt der Stromkabel überprüfen. Denn beim Betrieb leistungsstarker Geräte fließen große Strommengen durch die Leitungen. Sind die Kabel zu dünn, drosselt das den Stromfluss – im Extremfall kann sogar ein Kabelbrand entstehen.

Dieser Effekt ist vergleichbar mit einem großen Wassertank, an dem nur ein sehr dünner Schlauch angeschlossen ist. Das Wasser würde sich in diesem Fall mit hohem Druck durch den Schlauch pressen. Mit einem größeren Schlauch dagegen, fließt das Wasser langsamer und in größerer Menge.


Fazit: für Strom im Wohnmobil ist immer gesorgt

In Sachen Strom musst du beim Campen mit dem Wohnmobil auf nichts verzichten. Entscheidend ist jedoch, was du wirklich benötigst. Denn zusätzliche Komponenten für die Stromversorgung können richtig ins Geld gehen. Verbringst du deinen Urlaub hauptsächlich auf Stell- und Campingplätzen mit Stromversorgung, ist ein Wechselrichter oder Generator unnötig. Möchtest du aber häufig abseits der Camping-Infrastruktur übernachten, ist eine autarke Stromversorgung eine sinnvolle Investition. Grundsätzlich gilt: Ein- und Umbauten am Stromkreislauf sollte nur ein Fachmann durchführen. Denn eine falsche Verkabelung kann kostspielige Folgen haben.

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