Unsere Wohnmobil-Tour in Marokko: Route, Tipps & Erfahrungen - Teil I
Reisebericht
Fünf Wochen, fünf Personen, ein Wohnmobil und die weite Reise nach Afrika – zum ersten Mal wagten wir uns auf diesen Kontinent und in eine für uns neue Kultur. Was wir auf unserer beeindruckenden Reise erlebt haben, erfährst du in dem Reisebericht.
Inhaltsverzeichnis

Allgemeine Informationen zu Marokko
Die ideale Reisezeit für eine Marokko-Rundreise ist definitiv nicht Juli und August. Da wir aber Schulkinder haben, bleibt uns nur der Hochsommer für lange Reisen. Immer wieder fragten wir uns, ob es wohl auch möglich ist, eine Reise nach Afrika in der größten Hitze anzutreten. Schließlich trauten wir uns doch und so hieß es diesen August für uns: Wir fahren nach Marokko!

Viel Vorbereitung brauchten wir nicht. Die Reisepässe müssen bei der Einreise noch mindestens 6 Monate gültig sein. Ein Fahrzeug darf nach Marokko zollfrei für 180 Tage eingeführt werden. Wichtig ist, im Vorhinein zu überprüfen, ob auf der grünen Versicherungskarte der Autoversicherung das Land durchgestrichen ist. In unserem Fall haben wir die Versicherung kontaktiert und für einen festgelegten Zeitraum eine neue Versicherungskarte inklusive Marokko erhalten.

Anreise nach Marokko
Marokko erreicht man mit dem Wohnmobil auf zwei Wegen. Entweder man fährt mit der Fähre von zahlreichen europäischen Häfen, wie zum Beispiel von Genua in Italien nach Tanger Med. Die Fährfahrt dauert bis zu 40 Stunden, ist etwas kostenintensiv und eine Kabine wird benötigt. Alternativ kann man den langen Landweg über Frankreich und Spanien auf sich nehmen. Die Strecke nach Algeciras beträgt etwa 2.200 Kilometer. Von Algeciras und Tarifa aus legen regelmäßig Fähren nach Marokko ab. Wir entschieden uns für den Landweg und die kurze Fährüberfahrt über die Meerenge von Gibraltar.

Von Spanien nach Marokko
Nach der Anreise in den Süden Spaniens erholten wir uns zunächst zwei Nächte auf dem Stellplatz von Sanlúcar de Barrameda. In der Hauptsaison war es wenig überraschend, dass der Platz voll war. Wir fanden dennoch einen Platz und durften bleiben. Wir genossen die Nähe zum Meer und badeten im frischen Atlantik. Mit dem Bus fuhren wir in die kulinarische Hauptstadt 2022 und gingen in der bekannten Tapasbar Casa Balbino hervorragend essen. Auch wenn uns der Stellplatz, der Strand und die schöne Stadt sehr gut gefallen haben, fuhren wir nach zwei Tagen weiter, denn wir hatten jetzt nach der langen Anreise unser Ziel schon im Blick. Bei der Meerenge bei Tarifa konnten wir bis zur nordafrikanischen Küste sehen. Unsere Vorfreude war riesig. Unsere Fährtickets von Algeciras nach Tanger Med kauften wir am Abend vor der Überfahrt bei Carlos, einem unter Marokko-Reisenden bekannten Reisebüro (Viajes Normandie in Algeciras). Wir zahlten 445 Euro für Hin- und Rückfahrt mit Wohnmobil und fünf Personen, beide Tickets waren dabei flexibel, wir mussten uns also nicht auf ein Rückreisedatum festlegen. Unsere letzte Nacht auf dem europäischen Kontinent verbrachten wir auf dem riesigen Stellplatz in La Linea de la Concepcion direkt am Jachthafen mit Blick auf Gibraltar.

Am nächsten Morgen mussten wir schon um 7 Uhr los, um rechtzeitig bei unserer angepeilten Fähre zu sein. Im Fährhafen warteten wir ewig. Wir waren das einzige Wohnmobil und standen später auch ganz alleine auf dem LKW-Fährdeck. Mit einer Stunde Verspätung legten wir endlich ab. Während der anderthalb Stunden Fährüberfahrt hatten wir genügend Zeit, um die Passkontrolle auf dem Schiff durchzuführen und das Auto anzumelden. Im Hafen von Tanger Med (der Hafen liegt übrigens weit außerhalb der Millionenstadt Tanger) angekommen wurde unser Wohnmobil gründlich kontrolliert. Wir mussten aussteigen und das Fahrzeug wurde geröntgt, der Drogenspürhund durfte kurz rein und auch unsere Pässe mussten wir nochmal zeigen. Und dann war es endlich so weit: Wir sind mit unserem Wohnmobil bis nach Afrika gefahren!

Direkt am Hafen besorgten wir uns am Automaten Bargeld, denn in Marokko wird vieles in bar bezahlt. Auch an Tankstellen wird die Kreditkarte häufig nicht akzeptiert. Außerdem kauften wir eine Simkarte vom Anbieter INWI für etwa 50 Euro für unlimited Internet. Bestimmt war das nicht das beste Angebot, zudem ist es sicher empfehlenswert in Marokkanischen Dirham zu zahlen. Dafür hatten wir sofort Internet und wir konnten weiter mit Google Maps navigieren.
Unsere ersten Eindrücke von Marokko
Auf der gut ausgebauten mautpflichtigen Autobahn (Tipp: an den Mautstationen kann man prima seine großen Scheine klein machen!) fuhren wir nach Tanger. Dort bekamen wir gleich mal einen Geschmack davon, was uns in den nächsten Wochen für ein Verkehr erwarten wird. Vor allem in den Kreisverkehren waren wir jedes Mal froh, wenn wir heil wieder rauskamen. Schließlich erreichten wir aber doch unbeschadet den kleinen Parkplatz am alten Fährhafen und parkten dort unser Wohnmobil, um die Stadt zu erkunden.

Unsere ersten Eindrücke von Marokko waren überwältigend! Die Medina von Tanger ist verwinkelt und trubelig. In den engen Gassen boten die Händler ihre Waren an. Wir waren fasziniert von dem bunten Angebot und den unterschiedlichen Gerüchen. Gleichzeitig mussten wir aufpassen, uns nicht zu verlaufen. Nach dem ereignisreichen Tag hatten wir recht schnell genug vom Trubel und flüchteten aus der Stadt. Am Meer entlang fuhren wir nach Asilah. Der kleine gleichnamige Campingplatz kostet umgerechnet nur etwa 11 Euro die Nacht. Er war zwar überraschend voll, doch wir bekamen noch ein schönes Plätzchen für unser Wohnmobil und die Kinder fanden sofort marokkanische Freunde. Erschöpft fielen wir am Abend in unsere Betten und entschieden, zwei Nächte zu bleiben, um erstmal anzukommen.
Expertentipp für sauberes Trinkwasser
Die Trinkwasserqualität ist in Marokko eher schlecht - ein Wasserfilter ist hier auf alle Fälle sinnvoll. Oft gibt es auch keine Schläuche zum Wassertanken. Deswegen solltest du Schlauch und Einfüllkanne immer dabei haben. Hier kannst du nachlesen, wie Wasserfilter funktionieren.

Im Künstlerort Asilah
Am nächsten Morgen waren wir wieder frisch und erholt und gingen auf Erkundungstour. Durch ein kleines Tor gelangt man vom Campingplatz an den Strand, in den Ort sind es am Meer entlang etwa 15 Minuten zu Fuß. Von der hübschen Küstenstadt waren wir sofort begeistert. In der Medina ging es etwas gemächlicher zu als in Tanger. Die Häuser der Innenstadt sind alle weiß und blau gestrichen und im Ort haben sich viele Künstler angesiedelt und die Hausfassaden hübsch bemalt. Es gibt zahlreiche Galerien und kleine Läden und auch der Ausblick auf das Meer ist fantastisch!

Wir frühstückten ein zweites Mal und genossen unseren ersten marokkanischen Minztee in einer der engen Gassen. Wir waren richtig begeistert. Den Nachmittag verbrachten wir am Strand. Zwar ist der Atlantik auch im Hochsommer recht kalt, aber die Kinder hatten einen riesen Spaß in den großen Wellen. Am Abend liefen wir noch einmal in den Ort und aßen in einem kleinen netten Restaurant Dar al Maghrebia unsere erste Tajine. Eine Tajine ist ein marokkanischer Tontopf, in dem das Essen besonders schonend zubereitet werden kann, sodass die Aromen der Zutaten erhalten bleiben.
Immer in Richtung Süden
Am nächsten Morgen brachen wir auf, um weiter in Richtung Süden zu fahren. In der Park4night App hatten wir in Kommentaren gelesen, dass man vom Strand von Larache aus mit Taxibooten in den Ort fahren kann. Also parkten wir unser Wohnmobil direkt am Strand auf einem riesigen Parkplatz, Boote fanden wir aber keine. Dafür gingen wir erstmal eine Runde schwimmen und genossen die spektakuläre Aussicht auf den Ort.

Anschließend fuhren wir eben mit dem Wohnmobil in die Stadt und fanden dort zum Glück auch problemlos einen Parkplatz. Larache ist bekannt für seinen Fischereihafen und überraschend untouristisch, wir waren jedenfalls an diesem Tag fast die einzigen Touristen. Am Ufer entlang wird auf qualmenden Holzkohlegrills der Fisch frisch zubereitet. Die Medina wirkt authentisch und die Verkäufer sind nicht zu aufdringlich. Am Ende der Medina öffnen sich die Gassen zu einem riesigen Platz im spanischen Stil – dem Place d’Espagne. Unter herrschaftlichen Arkadenbögen befinden sich einige Cafés mit Aussicht auf den palmengesäumten Platz. Nach einer kurzen Pause liefen wir zurück zum Wohnmobil und fuhren noch ein ganzes Stück zum Campingplatz Mehdia in Kenitra. Leider kamen wir für den Pool ein paar Minuten zu spät, dafür sprangen wir zum Sonnenuntergang noch kurz ins Meer.
Expertentipp für Wäsche
Wir haben immer einen Wäscheständer dabei. Vor allem im Süden ist das super sinnvoll, auch für Badetücher. Am besten ist ein einfacher faltbarer wie Art.-Nr.: 843096. Waschmaschinen sind zwar weit verbreitet, aber Trockner gibt es nicht überall.

Den Pool konnten wir dafür am nächsten Morgen genießen, bevor wir weiterfuhren. Danach fuhren wir ein kleines Stück nach Salé. In Marokko gibt es eine Vielzahl an botanischen Gärten und ein besonders schöner liegt in Salé: Les Jardins Exotiques de Bouknadel. Auf verschiedenen markierten Wegen kann man hier auf Entdeckertour gehen und so der Hitze und der Hektik der Städte für eine Weile entkommen. Auch unseren Kindern gefiel der „Abenteuerpfad durch den Dschungel“, wir liefen über Hängebrücken, kletterten über Steine und entdeckten Kaulquappen, Frösche und Schildkröten. Auch nach zwei Stunden wurde uns nicht langweilig. Anschließend sind wir zum schönen Campingplatz L’Ocean Bleu zwischen Rabat und Casablanca gefahren. Wir wurden sehr freundlich empfangen und verbrachten einen schönen und leckeren Abend in einem nahegelegenen Restaurant (St. Michel).
Expertentipp gegen Hitze
Ventilatoren haben uns bei der Hitze in Marokko gerettet. Wir hatten kleine, akkubetriebene dabei, die überall einsetzbar ist.

Wir entschieden uns gegen eine Besichtigung der beiden Großstädte Rabat und Casablanca und sparen uns diese für das nächste Mal auf. Sicher sind beide sehenswert, aber wir wollten die Kinder nicht ständig durch große Städte jagen und auf unserem Weg lagen noch einige. So fuhren wir lieber weiter ins beschauliche El Jadida. Wir parkten außerhalb und liefen in die Stadt, deren historische portugiesische Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Dicke Mauern umgeben den historischen Kern, von oben hat man eine wunderbare Aussicht auf die engen Gassen und das Meer.

Erstaunt sahen wir Jugendlichen dabei zu, wie sie waghalsig von der etwa 10 Meter hohen Mauer ins Meer sprangen – begleitet vom Applaus ihrer Zuschauer. Leider ist die sehenswerte portugiesische Zisterne auf unbekannte Zeit geschlossen. Schade, diese hätten wir gerne besichtigt. Aber auch sonst ist der alte Stadtkern sehenswert. Anschließend kauften wir auf dem gegenüberliegenden Markt sehr günstig ein. Da wir keine Lust hatten, bei der Hitze zurückzulaufen, versuchten wir uns mit dem marokkanischen Taxisystem vertraut zu machen.
Taxi fahren in Marokko
Die sogenannten Petit-Taxis sind ein wichtiges und kostengünstiges Verkehrsmittel in Marokko. Sie fahren innerstädtisch und nehmen bis zu drei Fahrgäste mit. Sie bringen einen an jeden beliebigen Ort in der Stadt, nehmen dabei aber auch andere Fahrgäste mit – bis das Taxi voll ist.
Grand Taxis fahren normalerweise auf festen Routen und bieten Platz für bis zu sechs Fahrgäste. Sie halten, wo immer man aussteigen möchte.
Ein interessantes System, das für uns als fünfköpfige Familie leider nicht ganz perfekt ist. In El Jadida hatten wir jedoch Glück und fanden einen sehr netten Taxifahrer, der uns für etwa 2 Euro alle zusammen zurück zu unserem Wohnmobil transportierte.

Fortsetzung folgt...
Hier erfährst du , wie die spannende Wohnmobil-Reise durch Marokko weitergeht.



























