Zugwagen und Wohnwagen richtig beladen
... mit Rechenbeispielen
Wer mit Wohnwagengespann unterwegs ist, muss auf das Gewicht achten. Denn ein falsch beladenes Gespann ist ein Risiko für alle Verkehrsteilnehmer. Ich zeige dir, worauf es beim Beladen des Wohnwagen ankommt und gebe Tipps zur Gewichtseinsparung.
Inhaltsverzeichnis
- Zulässiges Gesamtgewicht, Anhängelast und Stützlast
- Rechenbeispiele
- Was ist die Achslast?
- Ein paar Tipps für dich
- So findest du die zulässige Stützlast
- Bußgelder bei Überladung
- So sparst du Gewicht
- Wie belade ich den Wohnwagen am besten?
- ADAC Schlingermodell
- Fazit: Gewicht optimieren und gekonnt platzieren
Zulässiges Gesamtgewicht, Anhängelast und Stützlast
Wenn du mit dem Caravan zum Campen fährst, spielen Gewichtsangaben eine wichtige Rolle. Bevor du deinen Zugwagen und den Wohnwagen belädst, solltest du also auf Folgendes achten:
1. Kontrolliere die zulässige Gesamtmasse (zGM) – oft auch als zulässiges Gesamtgewicht (zGG) bezeichnet – deines Zugwagens unter F.1 im Fahrzeugschein.
2. Prüfe im Fahrzeugschein deines PKW, für welche Anhängelast dein Zugfahrzeug zugelassen ist. Die Zahl findest du im Fahrzeugschein unter O.1.
3. Schaue nach, welche zulässige Gesamtmasse (zGM) dein Wohnwagen haben darf. Findet sich die Angabe nicht unter F.1 im Fahrzeugschein, kannst du auch beim Hersteller oder Händler nachfragen.
4. Angaben zur Stützlast deiner Anhängekupplung sowie die der Wohnwagendeichsel findest du im Feld 13 im Fahrzeugschein des jeweiligen Fahrzeugs.
Am besten fährst du den Wohnwagen „leer“ und dann noch einmal in beladenem Zustand auf eine Fahrzeugwaage (bei Prüfstellen, Recyclinghöfen, Bauhandel) oder du überprüfst das Gesamtgewicht mit einer Caravan-Waage. Hierbei zeigt dir die Waage an, an welchen Stellen du den Wohnwagen wiegen sollst und berechnet dann aus den einzelnen Parametern, das Gesamtgewicht.


Sonderausstattungen wie beispielsweise Klimageräte oder Rangierhilfen zählen in der Regel nicht zum Leergewicht und gehören damit zur Zuladung!
In diesem Blogbeitrag erklären wir dir alles zur Stützlast.
Rechenbeispiele
Wir erklären dir, wie du mit den Angaben im Fahrzeugschein umgehen und daraus ableiten kannst, wie viel Zuladung möglich ist.
Beispiel 1:

Dein Zugwagen besitzt eine zulässige Anhängelast A von 1.500 Kilogramm (unter O.1 im Fahrzeugschein).
Der Wohnwagen hat eine zulässige Gesamtmasse bzw. ein zulässiges Gesamtgewicht (zGG) von 1.500 Kilogramm.
Die zGM deines Wohnwagens entspricht mit 1.500 Kilogramm genau der zulässigen Anhängelast deines Zugwagens.
Beträgt das Leergewicht (G im Fahrzeugschein) deines Wohnwagens 1.200 Kilogramm, darfst du dort max. 300 Kilogramm zuladen.
Im Fahrzeugschein findest du folgenden Eintrag: „ZU O.1: 1500 BIS 10 % STEIG.*“ Dein PKW darf bis zu 1,5 Tonnen Anhängelast ziehen, sofern du eine Steigung von 10 Prozent nicht überschreitest.
Beispiel 2:

Nehmen wir einmal an, die zulässige Gesamtmasse (zGM) deines Wohnwagens (1.300 Kilogramm) ist kleiner als die zulässige Anhängelast A von 1.500 Kilogramm deines Zugfahrzeugs.
Besitzt dein Wohnwagen mit eine maximale zulässige Gesamtmasse (zGM) von 1.300 Kilogramm, darfst du somit höchstens 100 Kilogramm zuladen, wenn das Leergewicht des Anhängers 1.200 Kilogramm beträgt.
Beispiel 3:

Das zulässige Gesamtgewicht (zGG) des Wohnwagens überschreitet mit 1.800 Kilogramm die zulässige Anhängelast A des Zugfahrzeugs von 1.500 Kilogramm.
Wiegt der Wohnwagen im Leerzustand 1.200 Kilogramm, dürfen bei höherem zulässigen Gesamtgewicht 300 Kilogramm sowie der Wert der zulässigen Stützlast im Wohnwagen zugeladen werden. Wenn wir davon ausgehen, dass die Stützlast bei 100 Kilogramm liegt, darfst du hier nun insgesamt 400 Kilogramm zuladen.
Dies ist die einzige Ausnahme: In diesem Fall darfst du die zulässige Anhängelast um den Wert der zulässigen Stützlast überschreiten. In der Praxis ist die Stützlast von Caravan-Deichseln auf maximal 100 Kilogramm ausgelegt.
Wir haben hier vom zulässigen Gesamtgewicht (zGG) bzw. der zulässigen Gesamtmasse (zGM) des Wohnanhängers geschrieben. Selbstverständlich solltest du das zulässige Gesamtgewicht (zGG) bzw. der zulässigen Gesamtmasse (zGM) des Zugwagens beim Beladen nicht überschreiten!
Was ist die Achslast?
Unter der Achslast versteht man das Gewicht, das auf jeder einzelnen Radachse lastet. Angaben zur Achslast findest du unter Ziffer 7 und 8 im Fahrzeugschein. Beachte, dass die Summe der Achslasten und der Stützlast die zulässige Gesamtmasse (zGM) des Fahrzeugs nicht überschreiten darf.
So erhältst du die tatsächliche Achslast des beladenen Wohnwagens:
(Leergewicht + Zuladung) - Stützlast
Diesen Wert teilst du durch die Anzahl der Achsen. Damit erhältst du das Gewicht, das auf jeder einzelnen Achse lastet.
Aber Achtung: Das ist eine vereinfachte Rechnung, die davon ausgeht, dass die Last gleichmäßig auf alle Achsen verteilt ist. In der Praxis kann die Lastverteilung etwas variieren, je nachdem, wie der Wohnwagen beladen ist und ob der Wohnwagen gerade, also waagerecht auf einer ebenen Fläche, steht.
Diese Rechnung funktioniert natürlich auch bei einem PKW. Auch hier solltest du die zulässige Achslast nicht überschreiten.
Ein paar Tipps für dich
- Behalte immer das Gesamtgewicht des Gespanns im Fokus. Wenn du mit dem Wohnwagen Tempo 100 km/h auf deutschen Autobahnen und Kraftfahrstraßen fahren möchtest, darf die zulässige Gesamtmasse des Anhängers (z. B. Wohnwagen) nicht größer sein als das Leergewicht des Zugfahrzeugs – es sei denn, der Anhänger verfügt über eine Antischlingerkupplung (ASK) oder ein automatisches Bremssystem (z. B. Stabilisierungssystem). Hier erfährst du mehr über die 100-km/h-Zulassung für Wohnwagen.
- Liegt das Gesamtgewicht von Wohnwagen und Zugwagen über 3,5 Tonnen, darfst du ihn mit dem Führerschein der Klasse B (also normalen Autoführerschein) nicht mehr ziehen: Erforderlich sind dann die Klassen B96 oder BE. In diesem Blogbeitrag kannst du nachlesen, wie du den B96-Führerschein ganz leicht erhältst.
So findest du die zulässige Stützlast
Die Gewichtsangabe zur zulässigen Stützlast des Wohnanhängers findest du normalerweise auf der Deichsel.
Bei der Stützlast handelt es sich um das Gewicht, das mit der Deichsel des Wohnwagens direkt auf dem Kugelkopf deiner Anhängerkupplung lastet. Sowohl Zugfahrzeug als auch Wohnwagen haben in ihrem jeweiligen Fahrzeugschein (unter Punkt 13) Gewichtsangaben dazu. Die maximal zulässige Stützlast ist aber immer der niedrigere Wert aus diesen Angaben.
Willst du die tatsächliche Stützlast deines Wohnanhängers bestimmen, verwendest du am besten eine Stützlastwaage. Dafür stellst du den Anhänger auf eine waagerechte, ebene Fläche. Die Stützlastwaage platzierst du direkt unter dem Kupplungsmaul. Die Waage soll etwa der Kupplungshöhe des Zugwagens entsprechen. Achte für ein realistisches Ergebnis darauf, dass das Stützrad hochgekurbelt ist, also den Boden nicht mehr berührt. Jetzt hast du den Wert der tatsächlichen Stützlast deines Wohnwagens.
Liegt die gemessene Stützlast über dem zulässigen Wert (z. B. 100 Kilogramm oder 75 Kilogramm – prüfe den konkreten Wert für deinen Anhänger und dein Zugfahrzeug!), musst du die Beladung entsprechend anpassen.
Auch eine zu geringe Stützlast (z. B. unter 25 Kilogramm) kann die Fahrstabilität negativ beeinflussen – achte also auf einen ausgewogenen Wert im empfohlenen Bereich.

WICHTIG!
Es ist am besten, die Stützlast immer auszureizen, ohne sie jedoch zu überschreiten. Durch eine hohe Stützlast bist du stabiler und sicherer mit deinem Gespann unterwegs, was sich dadurch zeigt, dass es weniger zum Schlingern oder Pendeln führt. In diesem Blogbeitrag zeigen wir dir, wie du ein Stützrad mit Stützlastanzeige nachrüsten kannst.
Bußgelder bei Überladung
Wenn dein Gespann bei einer Kontrolle die zulässige Gesamtmasse, die zulässige Achslast oder die Anhängelast überschreitet, musst du mit einem Bußgeld rechnen.
Aktuell (Stand Mai 2025) werden bei einer Überschreitung
- ab 5 Prozent 38,50 Euro,
- ab 10 Prozent 58,50 Euro,
- ab 15 Prozent 63,50 Euro,
- ab 20 Prozent 123,50 Euro und ein Punkt,
- ab 25 Prozent 168,50 Euro und ein Punkt,
- ab 30 Prozent 263,50 Euro und ein Punkt fällig.
Zur Einordnung:
Bei einer zulässigen Gesamtmasse (zGM) deines Wohnwagens von 1.500 Kilogramm entsprechen 5 Prozent 75 Kilogramm bzw. 30 Prozent Überladung entsprechen 450 Kilogramm.
Die Bußgelder in Deutschland sind im europäischen Vergleich noch relativ gering, so auch in Dänemark. Hier zahlt der Fahrer beispielsweise pro Prozent Überschreitung der zulässigen Gesamtmasse ca. 10 Euro für den Halter wird es allerdings doppelt so teuer. In Frankreich musst du, abhängig vom Grad der Überladung, mit einem Bußgeld zwischen 135 und 750 Euro rechnen. In Spanien werden bereits bei 6 bis 15 Prozent Überladung etwa 300 bis 400 Euro fällig.
So sparst du Gewicht
- Fülle deinen Wasservorrat erst am Urlaubsort komplett auf. Selbst wenn du zwei Tage bis zum Urlaubsort unterwegs bist, brauchts du in der Regel keinen komplett gefüllten Wassertank.
- Leere den Abwassertank vor der Abfahrt am besten komplett.
- Verwende für die Fahrt nur Gasflaschen aus Aluminium.
- Nutze Melamin- statt Keramikgeschirr.
- Verzichte auf Edelstahlbesteck, greife stattdessen auf leichtes Alubesteck zurück.
- Optimiere dein Gewicht, indem du auf Alu-Kochgeschirr umsteigst.
- Nimm am besten nur so viele Lebensmittelvorräte mit, wie du unbedingt brauchst. Frische Sachen wie Gemüse und Obst schmecken vor Ort ohnehin meist besser.
- Achte beim Kauf von Campingmöbeln oder anderer Ausrüstung grundsätzlich auf die Verwendung leichter Materialien.
- weniger Kleidung: Nutze die Waschmaschine am Campingplatz.
- Fahrräder besser am Zugfahrzeug transportieren, als am Wohnwagen
- Nimm nur mit, was du wirklich brauchst. Das Gewicht solltest du als Caravaner immer im Auge behalten. Eine Packliste und das Wiegen aller Gegenstände hilft dir ebenfalls, im grünen Gewichtsbereich zu bleiben. Hier haben wir eine kostenlose Checkliste für dich, mit der du erfährst, was du alles zum Campen brauchst.
Wie belade ich den Wohnwagen am besten?

- Verstaue schwere Teile bodennah und in Achsennähe.
- Achte auf verschließbare Schränke.
- Lasse keine losen Gegenstände herumliegen, nutze dafür rutschsichere Boxen.
Beachte: Schwere Gegenstände hinter leicht schließbaren Türen können herausfallen. - Großes Zubehör wie Tisch, Stühle und Sonnenschirme solltest du im Innenraum sichern oder in der Garage festzurren, damit sie sich während der Fahrt nicht zu verselbstständigen. Am besten verstaust (und sicherst) du derartige Gegenstände im Zugfahrzeug.
Es gibt eine Vielzahl von Dingen, die dir bei der Ladungssicherung helfen:
ADAC Schlingermodell
Der ADAC zeigt hier anhand eines Schlingermodells, wie stark eine falsche Gewichtsverteilung die Fahrdynamik verändert und wie schnell es zum Kontrollverlust kommen kann. In diesem Blogbeitrag kannst du genau nachlesen, wie Anti-Schleuder-Systeme helfen, den Wohnwagen kontrolliert zu fahren.
Fazit: Gewicht optimieren und gekonnt platzieren
Du vermeidest so ein Pendeln oder Auf-Schlingern deines Gespanns und senkst somit das Risiko für einen Unfall oder gar ein Umkippen des Anhängers. Solltest du mit deinem Gespann doch einmal ins Schlingern kommen, so versuche, ruhig zu bleiben, den Fuß vom Gas zu nehmen und das Lenkrad gerade zu halten. Abruptes Bremsen und Gegenlenken solltest du vermeiden, so kommt gegebenenfalls nur mehr Unruhe in die ohnehin schon heikle Situation. Ausnahme: Du bemerkst, dass die Situation unkontrollierbar wird: Hier kann ein kontrollierter Tritt auf die Bremse, und so eine Geschwindigkeitsreduktion, Schadensbegrenzung leisten.
Wenn du die Gewichtsangaben deiner Fahrzeuge im Blick behältst, dich vor ein bisschen Rechentheorie nicht scheust und dein Gepäck ordentlich verstaust, fährst du nicht nur sicherer und stabiler, sondern brauchst auch keine Angst vor möglichen Bußgeldern zu haben.



























